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Bildungsurlaub, Bildungszeit, Bildungsfreistellung – Was ist das und wie bekomme ich das?

07. Juni 2018, BFZ Team in Tipps

Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Sobald man aufhört, treibt man zurück.“ (Benjamin Britten, englischer Komponist). Wer sich also darauf verlässt, dass einmal Gelerntes lebenslange Gültigkeit hat, liegt falsch. Um im Beruf auf dem Laufenden zu bleiben, ist das permanente Auffrischen von organisatorischen, technischen und kommunikativen Kompetenzen deshalb äußerst gefragt.

Genau dafür wurden Gesetze erlassen, und da Bildung bekanntlich Ländersache ist, haben sie unterschiedliche Namen bekommen: Bildungsurlaub, Bildungszeit, Bildungsfreistellung… und meinen das gleiche: Sie als Arbeitnehmer haben Anspruch auf eine Freistellung von ihrer Arbeit, um an einer anerkannten beruflichen oder politischen (Weiter-)Bildung teilzunehmen.

Die Angebote reichen von Sprachkursen – auch im Ausland – bis hin zu Seminaren zur persönlichen Entwicklung & Selbstmanagement, Gesundheit & Stressbewältigung, Arbeitsorganisation, Marketing & soziale Medien und Qualifizierung im Bereich Ehrenamt. Entsprechende Kurse werden von zertifizierten Trägern angeboten – auch hier am BFZ wird Bildungsurlaub gemacht! Unsere Bildungsberaterinnen helfen Ihnen gerne bei der Suche nach einem geeigneten Seminar weiter.

Wie viele Tage Bildungsurlaub habe ich?

Regelungen zur Bildungsfreistellung sind mittlerweile in fast allen Bundesländern festgeschrieben. Die einzigen Ausnahmen bilden Bayern und Sachsen. Entscheidend ist hierbei nicht der Wohnort, sondern der Ort, an dem sich der Arbeitsplatz befindet. Grundlegend gilt: Wenn Sie seit sechs bzw. zwölf Monaten in einem festen Arbeitsverhältnis stehen, haben Sie Anspruch auf Bildungsurlaub. Die Kosten für die Bildungszeit teilen Sie sich mit Ihrem Arbeitgeber, der die Lohnfortzahlung übernimmt. Sie kommen für die Kursgebühren und evtl. anfallende Fahrt- und Übernachtungskosten auf.

In Baden-Württemberg, Hessen und Berlin kann die Bildungszeit für Maß­nahmen der beruflichen oder politischen Weiterbildung in Anspruch genommen werden. In Baden-Württemberg und Hessen wird zusätzlich die Qualifizierung zur Wahrnehmung ehrenamtlicher Tätigkeiten gefördert.

Bildungsurlaub kann in der Regel für fünf Arbeitstage pro Kalenderjahr in Anspruch genommen werden. In Berlin können Sie bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres und danach im 2-Jahres-Rhythmus sogar zehn Tage pro Kalenderjahr beantragen. Wenn Sie weniger als fünf Tage pro Woche arbeiten, verringert sich dieser Anspruch. Auch Auszubildende in Hessen und Baden-Württemberg und Studierende der Dualen Hochschule Baden-Württemberg können fünf Tage Bildungszeit innerhalb der gesamten Aus­bildung für politische Bildung und Qualifizierungsmaßnahmen im ehrenamtlichen Bereich in Anspruch nehmen.

Und so klappt es mit der Bildungszeit

  1. 1. Seminar suchen und anmelden

Suchen Sie sich ein Weiterbildungsseminar bei einem in Ihrem Bundesland anerkannten Träger aus. Zögern Sie nicht zu lange, denn attraktive Seminare und Veranstaltungen sind schnell ausgebucht. Am besten sprechen Sie ihren Arbeitgeber bereits über Ihren geplanten Bildungsurlaub an. Je früher er über Ihre Weiterbildungsabsichten Bescheid weiß, desto besser kann er Ihre Abwesenheit planen.

  1. 2. Antrag beim Arbeitgeber stellen

Haben Sie eine passende Weiterbildung gefunden? Dann reichen Sie frühzeitig, spätestens aber 6-10 Wochen vor Seminarbeginn einen entsprechenden Antrag bei Ihrem Arbeitgeber ein (das Formular für Baden-Württemberg finden Sie hier). Am besten legen Sie ihm weitere Informationen vor, wie den Veranstaltungsinhalt, Ablaufplan und die Anmeldebestätigung.

  1. 3. Entscheidung des Arbeitgebers abwarten

Der Arbeitgeber entscheidet spätestens vier Wochen vor Beginn des Seminars schriftlich über Ihren Antrag. Ihr Arbeitgeber kann diesen nur aus wichtigen betrieblichen Gründen ablehnen. Lassen Sie sich in diesem Fall die Gründe schriftlich geben und diskutieren Sie die Entscheidung ggf. mit Ihrem Betriebsrat oder einem Rechtsanwalt.

  1. 4. Nachweis einreichen

Nach erfolgreichem Abschluss des Weiterbildungsseminars erhalten Sie vom Veranstalter eine Teilnahmebestätigung. Diese legen Sie Ihrem Arbeitgeber vor.

Bildungsfreistellung = Zeit für die individuelle Weiterbildung

Bildungsurlaub ist zweifellos eine persönliche und berufliche Bereicherung. Dennoch haben einige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer noch Bedenken. Sie fürchten wegen des „Extra-Urlaubs“ Ärger mit dem Chef oder ihrem Team.

Dieses Vorurteil können Sie schnell entkräften: Bildungszeit ist kein klassischer Urlaub. Mit mindestens sechs Unterrichtsstunden täglich entspricht sie fast der üblichen Arbeitszeit. Außerdem profitieren nicht nur Sie von den neu gewonnenen Erkenntnissen, sondern auch Ihr Arbeitgeber von Teammitgliedern, die sich stetig verbessern möchten und für die lebenslanges Lernen selbstverständlich ist.